Wenn Angst zu viel Raum einnimmt
Angst gehört zum Aufwachsen dazu. Sie schützt, warnt und geht meist wieder. Zum Thema wird sie, wenn sie bleibt, wenn sie ohne echte Gefahr auftritt und wenn ein Kind anfängt, Dinge zu meiden, die eigentlich zu seinem Leben gehören: die Schule, Freunde, das Übernachten woanders. Angststörungen sind die häufigsten psychischen Belastungen im Kindes- und Jugendalter, und sie sind gut behandelbar.
Es gibt viele Gesichter: Trennungsangst bei jüngeren Kindern, Schulangst, soziale Angst, generalisierte Sorgen, Panikattacken. Oft zeigt sich Angst zuerst im Körper, als Bauchweh, Kopfschmerzen oder Schlafprobleme ohne medizinische Ursache.
Woran ihr es merkt
Ein Kind vermeidet bestimmte Situationen immer hartnäckiger. Es klammert, fragt ständig nach Rückversicherung oder reagiert mit Wut, wenn es in die gefürchtete Lage soll. Morgens vor der Schule wird ihm schlecht, am Wochenende ist alles gut. Solche Muster sind ein Hinweis, kein Theater.
Wann Hilfe sinnvoll ist
Wenn die Angst über Wochen anhält, Leidensdruck entsteht oder Alltag und Schule deutlich eingeschränkt sind. Bei wiederkehrenden Panikattacken oder zunehmender Schulvermeidung solltet ihr nicht abwarten. Eine erste Einordnung gibt eine kinder- und jugendlichenpsychotherapeutische Sprechstunde.
Was ihr selbst tun könnt
- Die Angst ernst nehmen, ohne sie zu vergrößern. Nicht über sie diskutieren, sondern Sicherheit vermitteln.
- Vermeidung sanft begrenzen. Jeder kleine Schritt zurück in die gefürchtete Situation ist ein Gewinn.
- Nicht alle Sorgen wegnehmen wollen. Kinder werden mutig, indem sie erleben, dass sie etwas aushalten.
Wie behandelt wird
Am besten belegt ist die kognitive Verhaltenstherapie mit Expositionsanteilen, bei der ein Kind in kleinen Schritten lernt, der Angst zu begegnen. Bei akuter Zuspitzung oder wenn die Schule zum täglichen Kampf wird, hilft der Hilfeweg beim nächsten Schritt.