Thema

Depression, Rückzug und Selbstwert

Warnzeichen, Hilfewege und klare Krisengrenzen bei depressiven Symptomen.

Elternsprache

Mein Kind zieht sich zurück, wirkt leer oder hoffnungslos.

Fachliche Orientierung: ICD-10 F32-F33, ICD-11 6A70-6A7Z. Diese Seite stellt keine Diagnose.

Fachliche Leitlinie

Diese Einordnung orientiert sich an der AWMF-S3-Leitlinie „Behandlung depressiver Störungen bei Kindern und Jugendlichen“ (Register 028-043). Diese Leitlinie wird derzeit überarbeitet, den aktuellen Stand findet ihr im AWMF-Register.

Mehr als Traurigkeit

Eine Depression ist nicht einfach ein langes Tief. Sie ist eine ernste, behandelbare Erkrankung, bei der Antrieb, Stimmung und Selbstwert über Wochen wie unter einer Glocke liegen. Bei Kindern und Jugendlichen sieht sie oft anders aus als bei Erwachsenen: Statt offener Traurigkeit zeigt sich häufig Reizbarkeit, Rückzug, Gereiztheit oder ein ständiges „Mir ist alles egal”. Mit dem Jugendalter steigt das Risiko deutlich, Mädchen sind häufiger betroffen.

Woran ihr es erkennt

Achtet auf Veränderung über mindestens zwei Wochen: Ein Kind zieht sich von Freunden und Hobbys zurück, schläft zu viel oder zu wenig, isst anders, wirkt erschöpft, hoffnungslos oder wertlos. Schulleistungen brechen ein, Beschwerden über Kopf- oder Bauchschmerzen häufen sich. Solche Zeichen sind kein Stimmungsschwankungs-Theater, sondern verdienen Aufmerksamkeit.

Wann es dringend wird

Bei Äußerungen über Lebensmüdigkeit, bei Suizidgedanken oder Selbstverletzung gilt: sofort handeln, nicht abwarten. Eine ambulante Praxis ist dann nicht der richtige Erstkontakt. Bei akuter Gefahr Notruf 112 oder die nächste Kinderklinik-Notaufnahme. Rund um die Uhr erreichbar: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 und die Nummer gegen Kummer 116 111. Mehr unter Notfall und Krise.

Was ihr selbst tun könnt

  • Da sein, ohne zu drängen. Zuhören schlägt gute Ratschläge.
  • Tagesstruktur, Bewegung und kleine erreichbare Ziele helfen, ersetzen aber keine Behandlung.
  • Eigene Hilflosigkeit ernst nehmen und euch selbst Unterstützung holen. Ihr müsst das nicht allein tragen.

Wie behandelt wird

Bei leichter bis mittlerer Depression empfiehlt die Leitlinie Psychotherapie als Erstwahl, am besten belegt ist die kognitive Verhaltenstherapie. Bei schwereren Verläufen kommt eine kombinierte Behandlung mit medikamentöser Begleitung durch Kinder- und Jugendpsychiater:innen infrage. Den Weg zum ersten Termin findet ihr über den Hilfeweg.

Häufige Eltern-Fragen

Wie unterscheidet sich Depression bei Kindern von normaler Traurigkeit?

Depressive Episoden bei Kindern und Jugendlichen halten in der Regel mindestens zwei Wochen an, gehen mit Antriebslosigkeit, Rückzug, gestörter Schlafregulation, Appetitveränderungen und Hoffnungslosigkeit einher. Reizbarkeit kann statt klassischer Traurigkeit dominieren.

Wann ist es ein Notfall?

Bei Suizidäußerungen, Suizidplänen, schwerer Selbstverletzung oder akuter Aggression gegen sich selbst sofort 112, Kinderklinik-Notaufnahme oder kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz. Eine ambulante Praxis ist dafür nicht der richtige Erstkontakt.

Welche Verfahren werden in der Behandlung eingesetzt?

Bei leichter bis mittelschwerer Depression wird laut Leitlinie Psychotherapie als Erstwahl empfohlen; KVT und interpersonelle Psychotherapie sind am besten untersucht. Bei schwereren Verläufen erfolgt eine kombinierte Behandlung mit medikamentöser Begleitung durch Kinder- und Jugendpsychiater:innen.

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