Mehr als Traurigkeit
Eine Depression ist nicht einfach ein langes Tief. Sie ist eine ernste, behandelbare Erkrankung, bei der Antrieb, Stimmung und Selbstwert über Wochen wie unter einer Glocke liegen. Bei Kindern und Jugendlichen sieht sie oft anders aus als bei Erwachsenen: Statt offener Traurigkeit zeigt sich häufig Reizbarkeit, Rückzug, Gereiztheit oder ein ständiges „Mir ist alles egal”. Mit dem Jugendalter steigt das Risiko deutlich, Mädchen sind häufiger betroffen.
Woran ihr es erkennt
Achtet auf Veränderung über mindestens zwei Wochen: Ein Kind zieht sich von Freunden und Hobbys zurück, schläft zu viel oder zu wenig, isst anders, wirkt erschöpft, hoffnungslos oder wertlos. Schulleistungen brechen ein, Beschwerden über Kopf- oder Bauchschmerzen häufen sich. Solche Zeichen sind kein Stimmungsschwankungs-Theater, sondern verdienen Aufmerksamkeit.
Wann es dringend wird
Bei Äußerungen über Lebensmüdigkeit, bei Suizidgedanken oder Selbstverletzung gilt: sofort handeln, nicht abwarten. Eine ambulante Praxis ist dann nicht der richtige Erstkontakt. Bei akuter Gefahr Notruf 112 oder die nächste Kinderklinik-Notaufnahme. Rund um die Uhr erreichbar: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 und die Nummer gegen Kummer 116 111. Mehr unter Notfall und Krise.
Was ihr selbst tun könnt
- Da sein, ohne zu drängen. Zuhören schlägt gute Ratschläge.
- Tagesstruktur, Bewegung und kleine erreichbare Ziele helfen, ersetzen aber keine Behandlung.
- Eigene Hilflosigkeit ernst nehmen und euch selbst Unterstützung holen. Ihr müsst das nicht allein tragen.
Wie behandelt wird
Bei leichter bis mittlerer Depression empfiehlt die Leitlinie Psychotherapie als Erstwahl, am besten belegt ist die kognitive Verhaltenstherapie. Bei schwereren Verläufen kommt eine kombinierte Behandlung mit medikamentöser Begleitung durch Kinder- und Jugendpsychiater:innen infrage. Den Weg zum ersten Termin findet ihr über den Hilfeweg.